Jetzt erst recht: Wie Sie auch in turbulenten Zeiten die Geldanlage finden, die zu Ihnen passt – Interview mit Peter Schima

Eine nur schwer zu kontrollierende Corona-Pandemie, richtungsweisende US-Wahlen, der anstehende Brexit und immer wieder aufflammende Unruheherde auf der ganzen Welt: Dieses Jahr ist von vielen Unsicherheiten geprägt, die auch bei den Anlegern zu spüren sind. Peter Schima, Co-Regionalmarktleiter in Hanau, erklärt, ob es sich auch jetzt lohnen kann, ein Investment zu tätigen und wie Privatanleger eine Geldanlage finden, die zu ihnen passt.

Herr Schima, über die Sommermonate hatten sich die Aktienmärkte weitestgehend erholt, jetzt fallen die Kurse aufgrund der neuen Corona-Beschränkungen wieder. Die Krise ist also noch lange nicht vorbei und steigende Infektionszahlen lassen auf einen schwierigen Herbst und Winter schließen. Lohnen sich der Einstieg in und der Zukauf von Aktien Ihrer Einschätzung nach in der aktuellen Lage?

Ja, meines Erachtens nach kann sich ein Investment auch in der aktuellen Lage lohnen. Denn ob Krise oder nicht: Es gibt keine zuverlässige Methode, den günstigsten Markteintrittspunkt im Voraus zu bestimmen. So waren die Finanzmärkte zu Beginn der Corona-Krise stark betroffen,  in der Zwischenzeit hatten sie sich aber wieder zu großen Teilen erholt. Die Ursache dieser Erholung liegt darin begründet, dass die Kapitalmärkte weniger das aktuelle Geschehen, wie beispielsweise die COVID-19-Pandemie oder auch die jetzige Wirtschaftsschwäche, bewerten, sondern bereits in die nähere Zukunft blicken. So wird eher eine wirtschaftliche Erholung im Jahr 2021 sowie die Hoffnung auf einen Impfstoff eingepreist. Ebenfalls treibt die Erwartung eines weiterhin niedrigen Zinsniveaus das Kapital in Alternativanlagen wie z.B. Aktien.

Deshalb ist die aktuelle Lage oder auch das Suchen nach dem optimalen Eintrittszeitpunkt meines Erachtens nach weniger entscheidend. Stattdessen kommt es darauf an, Chancen nachhaltig wahrzunehmen und unter Beachtung des persönlichen Risikoprofils und des Anlagehorizontes entsprechend zu investieren.

Dennoch sind Investitionen am Aktienmarkt vielen Anlegern noch zu riskant. Was empfehlen Sie in diesem Fall?

Eine bewährte Vorgehensweise, um das Risiko der Kapitalmärkte etwas zu reduzieren, ist die sogenannte Investitionsoptimierung. Anstatt einmalig einen Betrag in Aktien und Investmentfonds zu investieren, wird dieser über einen längeren Zeitraum auf Tranchen verteilt (z.B. auf vier Tranchen à 25 %: Eine Tranche fließt sofort, die drei anderen Tranchen jeweils vierteljährlich in der Zukunft).

Mit dieser Methodik können Anleger ab sofort die Chancen an den Kapitalmärkten wahrnehmen, schützen sich durch die Verteilung aber gleichzeitig vor dem Risiko, den kompletten Investitionsbetrag genau zum falschen Zeitpunkt investiert zu haben. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, das Geld Spezialisten anzuvertrauen, die dann die richtigen Investitionsentscheidungen für Sie fällen. Dies funktioniert mithilfe einer Vermögensverwaltung (bei uns sogar bereits ab 10.000 Euro) oder auch schon für geringere Beträge in sogenannten Mischfonds, die je nach der individuellen Ausrichtung mal mehr oder mal weniger Aktien zu einem Portfolio aus Rentenpapieren beimischen.

Bleibt die Frage, welche Geldanlagen in der aktuellen Situation überhaupt sicher und gewinnbringend sind?

Die durchschnittlichen deutschen Sparer haben oft keine selbstgenutzte Immobilie, kaufen keine Aktien oder Aktienfonds, sondern lagern ihr Kapital auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto. Was verständlich ist, denn diese Geldanlagen gelten als sicher und waren früher gut verzinst. Heute sind sie aber nicht mehr gewinnbringend, ganz im Gegenteil: Sie können beim aktuellen Zinsniveau nicht dauerhaft den Wert der Ersparnisse erhalten. Wir leben mittlerweile in einer Welt, in der es keinen „risikolosen Zins“ mehr gibt.

Gewinnbringende Geldanlagen, wie beispielsweise Aktien und Investmentfonds, sind risikobehafteter. Die entscheidende Frage ist nun, wie gehen wir mit diesen Risiken um?

Hier hilft ein Risikomanagement, in dem sich jeder Anleger diese Frage stellt und gemeinsam mit einem Spezialisten beantwortet. Beispielsweise können Sie durch die Beimischung von Aktien bzw. Aktienfonds von deren gewinnbringenden Aussichten profitieren – vorausgesetzt, Sie bringen die nötige Zeit und Geduld mit, eine mögliche Schwächephase auszusitzen und nicht verkaufen zu müssen, sondern Ihre Gewinne dann einzustreichen, wenn Sie das wollen.

Grundsätzlich empfehle ich eine breite Streuung des Anlagevermögens in Geldwerte (z.B. liquide Kontoanlagen, festverzinsliche Wertpapiere), Substanzwerte (z.B. Aktien) und Sachwerte (bspw. Immobilien). So gelingt Ihnen eine robuste Mischung, mit der Sie die langfristigen Chancen der Kapitalmärkte nutzen, ohne Ihre Verfügbarkeit zu verlieren. Zudem sichern Sie sich mit der Anlage in Substanz- und Sachwerte gegen inflationäre Tendenzen ab und gehen der Gefahr, dass die Flut des billigen Geldes, verursacht durch die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken, letztendlich einen Kaufkraftverlust auslöst, größtenteils aus dem Weg.

Dennoch: Ein Restrisiko verbleibt aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse immer – das müssen Anleger wissen und akzeptieren.

Gold gilt als schwankungsanfällige Krisenwährung, wird aber in der breiten Masse oft als besonders sichere Anlage gehandelt. Ist das Edelmetall eine kluge Investition?

Das ist eine schwierige Frage! Das Gold als Krisenwährung hat in der Tat seinen Nimbus der Sicherheit eingebüßt. Zudem erwirtschaftet Gold keine Erträge, sondern verursacht noch Kosten für die Lagerung (bzw. Schließfach- oder auch eine Depotgebühr). Außerdem können die Schwankungen des Goldkurses durchaus heftig ausfallen und müssen trotz des „Glanzes von Gold“ auch ausgehalten werden. Insofern möchte ich an dieser Stelle keinen generellen Rat geben.

Sicherlich kann aber bei einem höheren Vermögen, insbesondere, wenn der Anteil an Sachwertanlagen eher unterrepräsentiert ist, eine kleine Beimischung sinnvoll sein. Das hängt ganz von der persönlichen Neigung ab. 

Bereits jetzt fließt jeder zweite Euro netto in nachhaltige Fondslösungen. Das beweist: Nachhaltigkeit liegt auch beim Thema Geldanlage im Trend. Ist die hohe Nachfrage mit Blick auf die Zukunft gerechtfertigt?

Ja, denn Nachhaltigkeit bedeutet Zukunftsfähigkeit. Und nicht nur, aber auch in Krisenzeiten geht es darum, zu erkennen, ob Geschäftsmodelle zukunftsfähig sind.

Ziel ist es, dass sich Unternehmen, die die sogenannten ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) erfüllen, klar von ihren Mitbewerbern abheben und ihre Stärke ausspielen können. Geschäftsmodelle, die sich durch eine sehr gute Organisation und eine Integration sozialer und ökologischer Belange auszeichnen, bewähren sich gerade in der Krise und danach.

Davon können auch Anleger profitieren: Denn neben einem guten Gefühl haben sie die Chance auf langfristige Ertragschancen. Die erste sogenannte "grüne Bundesanleihe" der Bundesrepublik ist ein Beleg dafür. Sie traf mit Aufträgen im Wert von 33 Milliarden Euro von Investoren auf eine außergewöhnlich hohe Nachfrage. Das zeigt, dass viele Anleger dem Staat für nachhaltige Projekte mehr Geld zur Verfügung stellen würden als dieser aktuell selbst dafür ausgibt.

Es gibt viele weitere gute Investmentmöglichkeiten, die direkt auf das Thema „Nachhaltigkeit“ einzahlen. Ich empfehle Kunden an dieser Stelle, mit ihrem persönlichen Berater zu sprechen, damit in einem gemeinsamen Gespräch die passende Lösung gefunden werden kann.

Was raten Sie Anlegern, die jetzt investieren wollen, aber noch nicht genau wissen, welche Form der Geldanlage zu ihrem Leben und ihrem Risikoprofil passt?

Diesen Anlegern empfehle ich eine Beratung, in der zunächst die persönliche Risikoneigung ermittelt wird. Zudem ist es sinnvoll, sich zu überlegen, mit welchen Themen man sich identifizieren kann (z.B. Nachhaltigkeit, Technologie, …) und sich auch bei der Suche nach der passenden Geldanlage auf diese Themen zu fokussieren.

Eine Alternative zur persönlichen Beratung bietet übrigens das persönlich-digitale Vermögensmanagement MeinVermögen. Mit MeinVermögen finden Sie als Anleger innerhalb von wenigen Minuten schnell und einfach heraus, welche Geldanlage zu Ihnen passt und wie risikobereit sie sind. Auf Basis Ihrer Informationen erhalten Sie dann eine Empfehlung für die für Sie passende Anlagestrategie und können die Geldanlage direkt online abschließen. Mit MeinVermögen profitieren Sie von einem flexiblen Zugang, professionellen Betreuung durch unsere mehrfach ausgezeichneten Spezialisten – und bei Bedarf einer persönlichen Beratung.

Sie haben Fragen zum Thema Geldanlage? Unsere Beraterinnen und Berater sowie unsere Wertpapierspezialisten im Hause der Frankfurter Volksbank stehen Ihnen gerne telefonisch oder auch persönlich zur Verfügung.

Wichtige Hinweise zu Risiken von Anlageprodukten: Die hier angebotenen Informationen enthalten nur allgemeine Hinweise zu einzelnen Arten von Finanzinstrumenten. Sie stellen die Chancen und Risiken der Anlageprodukte nicht abschließend dar und sollen eine ausführliche und umfassende Aufklärung und Beratung nicht ersetzen. Detaillierte Informationen über Anlagestrategien und einzelne Anlageprodukte einschließlich damit verbundener Risiken, Ausführungsplätze sowie Kosten und Nebenkosten stellt Ihnen Ihre Frankfurter Volksbank vor Umsetzung einer Anlageentscheidung im Rahmen der Beratung zur Verfügung.

Sie haben Fragen?
Wir beraten Sie gerne.